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Anja Bohnhof
Tracking Gandhi
Bahak - Krishak - Mohila


aus der Serie "Tracking Gandhi"



aus der Serie "Krishak"



aus der Serie "Bahak"

Anlässlich des bevorstehenden 150. Geburtstages von Mahatma Gandhi zeigt die Galerie m vom 7. Dezember 2018 bis 27. April 2019 eine Einzelausstellung von Anja Bohnhof. Für ihre Serie Tracking Gandhi folgte die in Dortmund lebende Fotografin (*1974 Hagen) den geografischen Spuren dieses Visionärs und Widerstandskämpfer und bereiste zahlreiche, für dessen Leben und Wirken wichtige Orte in Indien, Südafrika und Europa. Die Porträtgruppen Krishak, Mohila und Bahak, die Reisbauern und Erntehelfer in West-Bengalen sowie Lastenträger in Kolkata (Kalkutta) zeigen, lenken unseren Blick weiter in die Gegenwart des heutigen Indiens.

Mahatma Gandhis Name gilt als Synonym für gewaltlosen Widerstand und für den selbstlosen Einsatz für Freiheit und Menschenrechte. Sein politisches Wirken und seine gesellschaftlichen Visionen machen ihn zu einer der bedeutendsten Persönlichkeiten des vergangenen Jahrhunderts. Die Ausstellung zeigt eine kleine Auswahl aus der circa 80 Bilder umfassenden Serie Tracking Gandhi, an der Anja Bohnhof von 2013 bis 2018 arbeitete. Es handelt sich um ein einzigartiges Projekt, das viel Ausdauer und Einsatz erforderte, nicht zuletzt aufgrund der zum Teil aufwendigen Genehmigungsverfahren. Das Ergebnis ist umfangreich und komplex zugleich und bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für eine Auseinandersetzung, die weit über biografische Aspekte hinausgeht.
Die historische Relevanz der abgebildeten Orte beschreibt Bohnhof durch begleitende Texte. Die visuellen Eindrücke fügen sich auf diese Weise zu einer Geschichte zusammen, die einen Einblick in das politische Engagement und das gesellschaftliche Handeln von Gandhi geben.
Neben der dokumentarischen Qualität entwickeln die Fotografien ein jeweils eigenes Spannungsverhältnis zwischen gegenwärtigem Zustand und historisch-auratischer Aufladung, das zahlreiche Fragen aufwirft: Was zeugt noch von Gandhis Präsenz? Wie gehen wir mit Vergangenheit und Erinnerung um? Und welche Relevanz haben die gesellschaftlichen und ökonomischen Ideale und Visionen Gandhis heute?

An dieser Stelle knüpfen die Porträtserien Bahak, Krishak und Mohila an. Mittels eines mobilen Studios, das Anja Bohnhof vor Ort in den Straßen Kolkatas und auf den Reisfeldern West-Bengalens aufbaute, löste sie die Menschen für einen Moment aus ihrem Kontext heraus. Die Konzentration auf Gesichter, Kleidung und Attribute, die sich vor dem installierten Hintergrund deutlich abzeichnen, intensiviert die Wahrnehmung des Gesichtsausdrucks, der Körperhaltung, der Muster und der Farben, die besonders bei den Frauen, den sog. Mohilas vor schwarzem Grund zu leuchten scheinen.
Mit bildhafter Intensität spiegeln die Fotografien die Härte des Alltags wieder; gleichzeitig faszinieren die uns unmittelbar anblickenden und authentisch wirkenden Frauen und Männer. Fast schon irritierend mutet im Zusammenhang mit harter Arbeit und Entbehrungen die Anmut und Schönheit dieser Menschen an – besonders von Frauen wie „Sufiya Bibi“. Ebenso einprägsam sind die Bahaks (Bengali für Lastenträger), die ihre Waren kunstvoll aufgetürmt und ausbalanciert haben, und deren Arbeit in pulsierenden Städten wie Kolkata unverzichtbar ist.

Anja Bohnhofs Porträts zeigen diese Menschen auf respektvolle, unaufdringliche und doch schonungslose Weise. Sie stellt sie als Individuen dar und lenkt unsere Aufmerksamkeit auf kleinste Details. In der Betrachtung der Porträtserien im Zusammenspiel mit Tracking Gandhi vermittelt sich ein tieferes Verständnis des Menschseins.